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Das Tal der Tempel

Italien, Agrigent
Von Birgit Kohl   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Auf den Spuren der "Grand Tour"
Die Wiederentdeckung Akragas begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die ersten europäischen Reisenden sich auf das Abenteuer einer Sizilienreise einließen und hier ebenso unvermutete wie unermessliche Schätze der Kunst und Archäologie vorfanden - all jenen zum Trotz, die behauptet hatten, die Insel biete nichts Interessantes, abgesehen von der ruchlosen Tätigkeit der Inquisition.
Galerie
Agrigent, Tal der Tempel, Tempel von Castor und Pollux

Akragas - Gebaut für die Ewigkeit
Was die Reisenden vor mehr als zwei Jahrhunderten sahen, liegt auch heute noch vor den Augen der Besucher, und die Beschreibungen von einst sind in vieler Hinsicht noch ganz aktuell: Heute wie damals stehen die Tempel auf einem Hügelkamm aufgereiht und bilden das offenkundige Symbol einer Stadt, die einst zu den mächtigsten der Welt gehörte und deren Reichtum und Schönheit von den größten Dichtern des 5. vorchristlichen Jahrhunderts besungen wurde.

In der Tat war dies die Zeit der Hochblüte für Akragas, das 528 v. Chr. von Siedlern aus Gela gegründet worden und in nur hundert Jahren zu einer der bedeutendsten Städte des Mittelmeerraumes aufgestiegen war: Eine Wiege von Kunst und Wissenschaft, eine Stadt, deren Einwohner, um mit der gelungenen Definition des Philosophen Empedokles zu sprechen, lebten, als ob sie am nächsten Morgen sterben müssten, und bauten, als ob sie
ewig leben sollten.

Die im 6. und 5. Jh. v. Chr. errichteten Tempel sind der noch heute erkennbare, Stein gewordene Ausdruck dieser fieberhaften Bautätigkeit, denn von der griechischen Stadt, die 406 v. Chr. durch die Karthager zerstört wurde, ist sonst kaum etwas übrig geblieben.

Vom einstigen Kulturzentrum zur heutigen Provinzhauptstadt
Obgleich Agrigent noch den einen oder anderen Moment des Glanzes erlebte, konnte es seine alte Pracht nie wieder zurückgewinnen und wurde nach und nach zu einer Provinzstadt wie viele andere.

Mit Ausnahme der Tempel, deren einzigartiges Schauspiel wohl jeden Betrachter besonders bei Sonnenuntergang in ihren Bann zieht, wenn die sinkende Sonne sie buchstäblich in Brand zu setzen scheint - dann braucht es nur wenig Phantasie, damit die herrliche, von Pindar besungene Stadt wieder vor unseren Augen zum Leben erwacht.
Agrigent, Tal der Tempel, Herkulestempel

Seit 1997 ein Teil des von der UNESCO ausgewiesenen Erbes der Menschheit, stehen die Tempel unterhalb der heutigen Stadt, die noch ganz der mittelalterlichen Städtebauweise verhaftet ist und einen archäologischen Spaziergang erster Güte bietet.

Rechts von der Porta Aurea, die sich nach Süden und zum Meer hin öffnete, führt ein Pfad zu den imposanten Überresten des Tempels des Olympischen Zeus, der, zusammen mit dem Tempel G in Selinunt, der größte der westlichen Welt war (seine Grundfläche misst fast 7000 qm, mehr als der Petersdom in Rom).

Vom Tempel zum Steinbruch
Der 480 v. Chr. begonnene Bau unterscheidet sich vor allem durch die Telamonen, gewaltige, etwa 8 m hohe Statuen, die die durch Zeus unterjochten Naturgewalten symbolisierten und aufrecht zwischen den Säulen standen, mit denen zusammen sie das Dachgebälk stützten. Sie sind alle zerstört, bis auf einen, der im archäologischen Museum von Agrigent zu sehen ist (bei der in der
Tempelruine liegenden Statue handelt es sich um eine Kopie).
Agrigent, Tal der Tempel, Telamon


Stark angegriffen durch Vernachlässigung, Witterung und Erdbeben, diente der Tempel im 16. Jh. als eine Art Steinbruch: Die agrigentinischen Handwerker bedienten sich der gigantischen Tuffsteinblöcke u. a. beim Bau einer Hafenmole in Porto Empedocle.

Vom antiken Spektakel zum Weltkulturerbe
Neben dem Tempel erhob sich ein gewaltiger Opferaltar, auf dem bis
zu hundert Ochsen zugleich geopfert werden konnten; im Umfeld war Platz für zweitausend Gläubige.

Um den Zeustempel herum erstreckt sich ein weitläufiges Sakralgebiet; es wurde im 6. Jh. angelegt und enthielt zahlreiche Kultbauten, aber auch Privathäuser und Läden. Hier gab es vier Tempel; für das ungeübte Auge sogleich erkennbar ist jedoch nur der sogenannte Dioskuren-Tempel, von dem noch vier Ecksäulen stehen (sie wurden 1836 wieder aufgerichtet) und einen äußerst pittoresken Anblick bieten - in der Tat ist dieser Tempel (480 - 460 v.Chr.) das Symbol von Agrigent.

Nördlich von ihm wurde in einer Mulde die Kolymbetra entdeckt, ein Wasserbecken, das den fruchtbarsten Garten des Tals bewässerte. Das Gebiet
wurde 2001 der Umweltorganisation Fondo per l"Ambiente Italiano zur Restaurierung übergeben, die es mit der entsprechenden Vegetation und Hinweistafeln ausstattete.

Vom Herkules- bis zum Concordia-Tempel
In entgegengesetzter Richtung, auf dem Kamm eines niedrigen Hügels, stehen drei Tempel hintereinander. Der erste und wahrscheinlich älteste ist der Herkules-Tempel (6. Jh. v. Chr.) mit neun aufrecht stehenden Säulen; auf einigen von ihnen ist noch der purpurfarbene Verputz schwach zu erkennen, mit dem der Tempel ursprünglich bedeckt war.

Agrigent, Tal der Tempel, Tempel der Concordia
Es folgt der Concordia-Tempel in seiner ganzen Schönheit, der unter stilistischem Gesichtspunkt einer der vollkommensten der gesamten griechischen Welt ist, „unsagbar schön und malerisch“, wie Friedrich Münther sagte. Zusammen mit dem Theseion von Athen und dem Posidonion von Paestum ist der Concordia-Tempel der am besten erhaltene der griechischen Antike.

Vom heidnischen Tempel zur Kirche
Seine Unversehrtheit verdankt er dem glücklichen Umstand, dass er, im Unterschied zu anderen heidnischen Tempeln, die von den Christen mehr oder
weniger zerstört wurden, im 6. Jh. in eine Kirche umgewandelt wurde. Seine
Struktur blieb daher erhalten, und 1748 wurde der im 5. Jh. v. Chr. in exquisitem
dorischem Stil erbaute Tempel restauriert und gewann so sein ursprüngliches
Aussehen wieder (mit Ausnahme einiger Bögen in der Mauer der Cella).

An einer Reihe unterirdischer Grabstätten aus byzantinischer Zeit vorbei führt die
Tempelstraße weiter zum reizvoll am Ende des Hügelkamms gelegenen Tempel der Hera Lacinia (oder Juno-Tempel). Form und Bauperiode entsprechen denen des Concordia-Tempels; allerdings ist er etwas kleiner. An den Mauern der Cella sind noch die Spuren des Feuers sichtbar, das die Karthager 406 v. Chr. während der Zerstörung und Plünderung von Akragas an den Tempel legten.

An der Ostseite des Tempels befinden sich die Überreste des üblichen Opferaltars, sowie ein Stück der antiken Straße, in die die Räder der Karren tiefe Fahrspuren getrieben haben.

Weitere Highlights Agrigents
Soweit die wesentlichen Etappen eines Besuchs in Agrigent; es gibt aber noch zahlreiche weitere Spuren der antiken Stadt zu entdecken: den Äskulap-Tempel, das Grab des Theron, das hellenistisch-römische Stadtviertel mit dem Bethaus des Phalaris, das ekklesiasterion und das bouleuterion, sowie schließlich das hochinteressante Archäologische Museum, in dem wertvolle Fundstücke aus dem antiken Akragas ausgestellt sind, beispielsweise die mit Löwenköpfen verzierten Dachtraufen, die einige der Tempel schmückten, und herrlich bemalte Gefäße, aber auch Informationstafeln und Plastiken, mit deren Hilfe sich ein guter Eindruck von der Stadt und ihren Baudenkmälern gewinnen lässt. 

Das Tal der Tempel in der Literatur
Girgenti ( ...) bietet das erstaunlichste Zusammenspiel von Tempeln, das man sich vorstellen kann. Auf dem Kamm eines langen, steinigen, nackten und roten Grats, von einem brennenden Rot, ohne einen Grashalm, ohne einen Strauch, der das Meer, den Strand und den Hafen beherrscht - hier zeigen drei herrliche Tempel, von unten gesehen, ihre großen steinernen Silhouetten gegen den blauen Himmel der warmen Länder. Sie scheinen in der Luft zu stehen, mitten in einer großartigen und trostlosen Landschaft.

Guy de Maupassant, Sizilien

Hat man den Minerva-Hügel überschritten, so erreicht man die Reihe der Tempel, die auf der Südgrenze der Stadtmauern stehen. Ihr Anblick vor dem Hintergrund des libyschen Meeres, wenn die brennende Sonne ihren gelben Stein beleuchtet und die mächtigen Säulen zum Glitzern bringt, ist auch heute noch bezaubernd, und man denkt daran, wie großartig er in der Antike gewesen sein muss.

Ferdinando Gregorovius, Wanderjahre in Italien

www.regione.sicilia.it/turismo


Kultouren
 

 

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